Ein Film von Andreas Macat (Wuppertal 2025, 50 Min.)
mit anschließendem Gespräch
Kaum einer kennt die Jazz-Szene und Wuppertaler Jazz-Geschichte so gut wie Dieter Fränzel. Über die enorme Zeitspanne von sieben Jahrzehnten organisierte Fränzel Konzerte, holte Jazz Größen wie Charles Mingus nach Wuppertal und knüpfte Kontakte zu zahllosen Musikerinnen und Musikern. Er war es, der die Free-Jazz-Legenden Peter Kowald und Peter Brötzmann zusammenbrachte. Sein Wirken reicht von den frühen Clubs und „Jazz-Katakomben“ der Fünfziger Jahre bis zu den Klangart-Konzerten im Skulpturenpark, die er für Tony Cragg realisierte. Fränzel folgte nicht ausgetretenen Pfaden, sondern beschritt oft unbekannte Wege. Das verband ihn mit Musiker:innen wie Breuker, Hampel, Kowald, Brötzmann, von Schlippenbach, Carla Bley, Irene Schweizer und anderen, die mit Konventionen brachen, um neue, freie, experimentelle Formen der Musik zu entwickeln. Fränzel schuf Orte wie den „Club Impuls“, die zu einem Kristallisationspunkt der Jazz-Avantgarde wurden. In einer Zeit, in der Wuppertal als ein Zentrum des Free-Jazz wahrgenommen wurde, wirkte er als Netzwerker und Kommunikator der Bewegung.
Doch es blieb nicht bei der Faszination für den Free-Jazz. Das von Fränzel Ende der Sechziger Jahre gegründete „Aktionszentrum Impuls“ wurde zur Blaupause für viele soziokulturelle Zentren bundesweit. Ohne “Impuls“ gäbe es auch die von Fränzel mitbegründete Börse, der er bis in die Gegenwart als Ratgeber zur Seite stand, wohl nicht.
Mit „Schritte ins Freie“ hat Regisseur Andreas Macat das Porträt eines Mannes geschaffen, der nicht im Rampenlicht der Bühne steht, aber die Musik- und Kulturszene über Wuppertal hinaus ganz wesentlich geprägt hat.
Foto @ K.H. Krauskopf